USA und China gewinnen Bedeutung für deutsche Autobauer
Autos deutscher Hersteller sind in Wachstumsmärkten der Automobilbranche hoch im Kurs. Daher verstärken die Konzerne weiter ihre Präsenz außerhalb Europas.
Die Automärkte in den USA und China gewinnen zunehmend an Bedeutung für deutsche Hersteller. In den USA wuchsen die Anteile der deutschen Automarken alleine im Januar um 24 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das ist mehr als doppelt so viel wie das Wachstum des gesamten US-Automarktes. Deutsche Marken erreichen Angaben des deutschen Verbands der Automobilindustrie (VDA) zufolge in den USA aktuell einen Marktanteil von knapp 9 %.

Der VW Lavida ist speziell auf den chinesischen Markt abgestimmt. Er soll dort die Mittelschicht ansprechen. (Foto: Volkswagen)
Der zunehmende Erfolg deutscher Marken in den USA ist auf ihre verstärkten Bemühungen in dieser Region zurückzuführen. So haben inzwischen alle deutschen Hersteller eine eigene Produktionsstätte in den USA, bestehende werden ausgebaut. Die deutschen Firmen stellen sich eigens auf die regionalen Märkte ein: „Deutsche Marken haben die USA seit jeher als wichtigen Markt gesehen. Sie haben sogar eigene Modelle für diesen Markt entwickelt. Der coupéartige X6 von BMW ist ein Beispiel dafür. In den USA sind vor allem Sport Utility Vehicles und Limousinen gefragt. Daher verkaufen sich auch die besonders großen deutschen Modelle wie die Mercedes M-Klasse dort noch besser als in Europa“, sagt Bettina Mayer, Chefredakteurin des Branchenmagazins AUTOMOBIL PRODUKTION. Die amerikanischen Kunden könnten sich aber zunehmend auch mit kleineren und sparsameren Modellen anfreunden, meint sie.
In China und den USA geht die Automobilindustrie besonders auf den Geschmack der Kunden ein. Dort wird beispielsweise viel Chrom verwendet: „Das gilt als Zeichen von Hochwertigkeit und zeigt, dass man erfolgreich ist. Das Statusdenken ist in diesen Ländern sehr stark ausgeprägt. In Europa ist dies ja eher verpönt“, erklärt Mayer.
In China ist neben der Premiumklasse auch die Mittelklasse gefragt. VW-Modelle wie New Lingyu, Lavida oder Santana kennt man hierzulande weniger. In China sollen sie die chinesische Mittelschicht ansprechen: „VW ist in China seit mehr als 20 Jahren aktiv und hat dort einen enormen Vorsprung“, sagt Mayer. Der Volkswagenkonzern ist mehrere Joint Ventures mit chinesischen Firmen eingegangen. Dies habe dazu geführt, dass VW von vielen Chinesen bereits als chinesische Marke wahrgenommen werde, erklärt sie.
Mit den Wachstumsmärkten wird sich auch die Produktion verändern: „In Europa wird die Produktion eher zurückgehen. Die einzigen internationalen Marken, die zusätzliche Standorte hier planen, sind Toyota und Hyundai, das ist aber noch nicht sicher. Die Produktion wird sich mehr in die neuen Absatzmärkte verlagern“, vermutet Mayer.
Auch andere Länder werden eine wachsende Rolle für deutsche Automobilkonzerne erlangen. Indien weist zwar ein großes Wachstum auf, die Zahl der verkauften Autos spiegelt das aber noch nicht vollständig wider. Mittelfristig werden neben den USA und China vor allem Russland und Brasilien an Bedeutung gewinnen. In Russland stammt bereits jeder 5. Neuwagen von einem deutschen Hersteller. Im Januar wurden dort um 1/5 mehr Autos verkauft als im Januar 2011. Den größten Zuwachs an Neuwagen deutscher Herkunft weist interessanterweise das Herkunftsland mehrerer starker Konkurrenten auf: Japan. Ein Anreizprogramm für den Neuwagenkauf durch die japanische Regierung führte dazu, dass unter anderem 38 % mehr deutsche Autos in Japan verkauft wurden.
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